Arschloch

Ich war nie ein netter Junge. Zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählte es, Tiere zu quälen und meine Mittmenschen zu tyrannisieren. Dabei spielte es keine Rolle, ob ich eine Ameise mit der Lupe verbrannte oder einen Frosch mit einem Strohhalm aufblies bis er platzte. Mit Freuden habe ich diesen hochnäsigen Collageboys eins auf die Fresse gehauen. Wenn viel Blut spritzte, ging es mir immer am besten.

Auch heute bin ich keiner dieser Schwiegermuttertypen. Mein Lebensmotto: Lieb ist der kleine Bruder von Scheiße. Die meisten Frauen nennen mich Arschloch, weil ich sie nur vögele, um meine Bedürfnisse zu befriedigen. Wenn die Alte nicht auf ihre Kosten kommt, ist das doch nicht mein Problem. Ein schlechtes Gewissen kenne ich nicht. Im Gegenteil, es ist ein geiles Gefühl, meine Macht auszuspielen. Warum ich so Abscheuliches tue? Weil ich es kann! Vermutlich glaubt ihr, ich hatte ein schlechtes Elternhaus oder eine unglückliche Kindheit, aber nichts von alledem ist der Fall. Und ehrlich gesagt ist es mir scheißegal, was ihr von mir denkt. Genau so egal, wie alle andern Kreaturen auf diesem beschissen Planeten.

Mit dieser Reise habe ich mir einen Traum zu meinen 30. Geburtstag erfüllt. Las Vegas, spielen und mal richtig auf die Kacke hauen. So wie in Hangover, nur eben ohne lästigen Anhang. Wer braucht schon Familie und Freunde? Verdammt, wenn es nur nicht so schrecklich heiß wäre. Unerträglich knallt mir die Sonne auf die Birne. Meine Karre ist mir mitten im Nirgendwo verreckt, die letzte Flasche Wasser schon vor Stunden geleert. Kein Handynetz, und keine Menschenseele weit und breit. Dieser Abstecher in die Wüste war eine bescheuerte Idee. Endlich, da vorne scheint eine Oase zu sein. Wasser, kreist es immer wieder durch meine Gedanken. Oder, ist es bloß wieder eine dieser dämlichen Luftspiegelungen, die mich verarschen will?

Die Sonne ist unbarmherzig, lässt meine Lippen aufplatzen, verbrennt meine Haut und kocht mein Hirn weich. Scheiß Ami-Schlitten, hätte mir doch lieber einen deutschen Wagen mieten sollen. Diese Dreckswüste nimmt kein Ende. Egal in welche Richtung ich mich wende, nur Sand und Steine. Shit, ich kann mich nicht mehr auf den Beinen halten. Nur eine Minute ausruhen, irgendwo in dieser Richtung muss die Straße liegen, da bin ich mir ganz sicher. Nur kurz die Augen schließen und verschnaufen. Wo kommt plötzlich die Stimme her? Ich öffne suchend die Augen, schirme die stechende Sonne mit der Hand ab, kann aber niemanden ausmachen. Was soll die Scheiße? Lass dich gefälligst blicken, wenn du mich schon verhöhnst. Den Spruch: Und, wie fühlte es sich auf der anderen Seite an, kannst du dir in den Arsch schieben. Soll mir das etwa Etwas sagen? Wichser, gib mir lieber etwas zu trinken, ansonsten kannst du dich verpissen.

Über mir kreisen die Geier. Schade ich habe keine Zwille dabei. Wäre bestimmt lustig, auf diese hässlichen Vögel zu schießen. Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Ich lache laut auf, dann hebe ich mit letzter Kraft die Faust und drohe in Richtung Himmel: „Mach endlich das beschissene Brennglas aus!“

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